Eine Heimat hat wohl jeder. Irgendwie.

Für manche ist Heimat aber gar nicht so an einen Ort gebunden.

 

Sehnsucht nach einem Zuhause

 

Ich bin in meinem Leben schon häufig umgezogen. Nach dem zwanzigsten Umzug habe ich aufgehört zu zählen. Auch wenn ein Großteil der Umzüge in einer Gegend waren, so fühle ich mich mit dieser nicht wirklich verbunden.

Auch in meiner Wahlheimat Berlin fühle ich mich nicht beheimatet.

Als Jugendliche habe ich  dieses Gefühl zu einem Ort stark vermisst, da alle um mich herum sowas hatten. Einen Lieblingsplatz aus der Kindheit. Eine Geschichte zu einem Weg oder Haus. Eine Sehnsucht und die Freude, wenn man Heim kehrt.

Am ehesten hatte ich dieses Gefühl im Haus meiner Tante und meines Onkels. Seit ich denken kann, war ich dort häufig zu Besuch. Wir haben viele Weihnachtsfeste gemeinsam gefeiert und ich war auch mal ohne meine Mama oder meinen Papa mit ihnen im Urlaub. Ich kenne das Haus in und auswendig.

Eine Zeit lang, war ich immer wieder eifersüchtig, wenn Freundinnen von mir von ihren Sandkasten-Freundinnen erzählten. Sich mit ihnen trafen und diese ihre Trauzeuginnen wurden.

Eine Sandkasten-Freundin. Das wollte ich auch. Eine Kindergarten-Liebe. Ich wollte das auch.

Nur bekommt man die nicht, wenn man schon fast erwachsen ist und nicht mehr im Sandkasten spielt.

Mir fiel es noch nie schwer neue Freundschaften zu schließen. Ich hatte nie ein Problem damit Gruppen um mich zu versammeln und Menschen zusammen zu führen, die sich sonst vielleicht gar nicht begegnet wären. Oder mit einander gesprochen hätten.

Was mir schon immer schwer fiel: Freundschaften aufrecht zu erhalten.

So kommen viele tolle Menschen in mein Leben. Aber leider gehen auch viel zu viele davon wieder.

Zu wenige dieser Menschen bleiben mir als Freunde erhalten und mit noch weniger Menschen ist es auch nach langen Kontaktpausen so, als wäre da nie eine Pause gewesen.

Die meisten dieser Menschen habe ich im Internet kennen gelernt.

 

Das Internet. Meine Freundschaftsrettung. Meine Heimat?

 

Nachdem ich das Internet für mich entdeckte war ich Nächte und Tagelang in Chats unterwegs. Fing an Websiten zu basteln und stöberte durch Foren. Ich entdeckte eine Parallelwelt. Eine Welt, die besser zu mir zu passen schien. Es war viel einfacher Kontakt zu halten. Und noch einfacher Kontakt her zu stellen. Es war immer jemand da, wenn ich Redebedarf hatte.

So lernte ich meinen besten Freund im Internet kennen. Ein total verrückter Kerl, der am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich. Was übrigens der Aufhänger unseres ersten Gesprächs war. Wir kennen uns jetzt seit 11 ..nein 12 Jahren. Und wir feiern jeden unserer Geburtstage zusammen. Und auch wenn wir sonst das ganze Jahr nicht miteinander geschrieben haben, weil so viel anderes war: Punkt(!) Null Uhr wird zum Geburtstag gratuliert. Um die Wette natürlich. Viel zu häufig finde ich es übrigens wirklich, wirklich, wirklich doof, dass er nicht in Berlin wohnt. (Jetzt zieh doch endlich mal um! Man eh!)

Aber wie er zu sagen pflegt: „Irgendwas ist halt immer!“

Auch Alex lernte ich (wie 90% meiner Ex-Freunde auch) über das ominöse Internet kennen. Ich nenne jetzt nicht die Website, das ist irgendwie peinlich. Aber es ist KEINE Partnervermittlung. Und meinen Besten habe ich dort auch kennen gelernt.

Es war irgendwie nur logisch, dass ich irgendwann von den Foren zu Blogs komme und zu Twitter. Und zu einem wundervollen Online-Clan. Nach und nach treffe ich diesen auch offline. Und bin jedes Mal ganz nervös.

 

Flashback und eine Erkenntnis

 

Als ich vor einiger Zeit zu Alu fuhr um bei ihr Maß zu nehmen, stieg ich an einer Haltestelle aus, an der ich Jahre lang jeden Mittwoch ausgestiegen war.

Aber nicht um zu arbeiten oder zur Schule zu gehen. Nein, wenn ich die Straße vor ihrer Haustür entlang ging…kam ich zu meinem Stammclub.

Während ich dort die Straße im Sonnenlicht entlang ging, meinen Sohn an der Hand – überkam mich plötzlich eine Wärme im Herzen, die ich so nicht kannte. Bei jedem Schritt kam eine Erinnerung hoch.

Hier saßen wir morgens nach dem Club-Besuch und haben gefrühstückt.

Hier habe ich einem Kumpel in den Po treten wollen, bin gestürzt und habe mir das Handgelenk gebrochen. (Karma ist eine Drecksau.)

Dort haben wir uns manchmal noch ein Bier geholt, bevor wir tanzen gingen.

Vor ihrem Haus blieb ich stehen, blickte gegenüber auf das Schild meines Stammclubs und wurde wehmütig. Mein Stammclub würde schließen.

Mir wurde klar, dass dieser Weg, dieser Club einen so großen Platz in meinem Herzen einnahm, dass es eine Heimat wurde.

 

Heimat neu definieren

 

Mittlerweile sind meine Eltern (seit vielen Jahren kein Liebespaar mehr übrigens.) wieder umgezogen. Und wenn wir sie besuchen fahren, merke ich, dass es nicht der Ort ist, sondern das Gefühl, mit dem meine Eltern ihre Räume füllen, dass es für mich zur Heimat wird. Auch wenn ich in den Häusern und Wohnungen selber nie gelebt habe, fühle ich mich dort zuhause. Weil meine Eltern da sind.

One Reply to “Das Gefühl von Heimat, ein Flashback und Freundschaft”

  1. Und ich werde dennoch nicht nach Berlin ziehen.^^ Aber irgendwas ist halt immer! 😀

    Ich stimme dir in so ziemlich allem komplett zu. Dank des Internets kennen wir uns und das schon seit fast 12 Jahren. Erstaunlich. Und ich bereue kein Einziges davon. Auch wenn wir uns nicht so oft sehen und nicht so häufig schreiben (Oh diese Verpflichtungen), du bist und bleibst meine beste Freundin und die Schwester, die ich nie hatte. Und dafür liebe ich dich. 🙂

Kommentar verfassen