Wir waren heute auf unserem Stammspielplatz.

 

Die üblichen Verdächtigen waren da und ich biss mir immer öfter auf die Zunge, als mir lieb war. Ich versuchte die anderen Mamas (und Erzieherinnen der angrenzenden KiTa) zu ignorieren, obwohl ich ihre Wortwahl der Kinder gegenüber unmöglich und respektlos fand.

Irgendwann gingen sie.

 

Und dann kam eine relativ jung aussehende Mama mit ihrem Sohn im Grundschulalter. (Ich bin schlecht darin das Alter genau einzuschätzen)

Sie setzte sich telefonierend auf eine Bank. Ihr Sohn kam zu uns und wollte ebenfalls auf diese große Netz-Schaukel. Ihr wisst schon, die aussehen wie die Wikingerschiffe auf dem Jahrmarkt…also…irgendwie so.

Ich fragte das Äffchen, ob es okay ist, wenn er mit schaukelt, war für sie okay. Der Junge stieg auf.

 

Und stellte mir plötzlich zwei Fragen, die mich komplett aus der Bahn warfen.

 

Ist sie manchmal böse? Ist sie manchmal frech, so wie andere Kinder auch?

 

Ich starrte ihn etwas perplex an.

 

Nein. Sie ist nicht böse. Manchmal ein bisschen frech, aber das ist okay.

 

Ich bin oft frech.

 

Wieso denn das?

 

Weil mir meine Mama beim Streit nicht zuhört, da MUSS ich frech sein!

 

Ich war sprachlos.

 

Ein Kind, das einer wildfremden Person so etwas erzählt..so ausformuliert bekommt.

 

Plötzlich war ich in Gedanken nicht mehr ganz da.

Würde der Bär auch so von uns reden? Oder das Äffchen? Hören wir unsern Kindern gut genug zu?

Ich hatte einen Vormittag an dem ich viel geschimpft und das Äffchen von Regalen gepflückt habe. Ständig. Ich war genervt. Und mir tat alles weh. War sie „frech“ an dem Tag, weil ich ihr Bedürfnis nach Bewegung nicht sah? Weil wir nicht schon früher raus sind um zu klettern?

Der Junge erzählte noch weiter. Sie streiten häufig. Mamas müssen häufig mit Jungs streiten. Aber Mamas mit Mädchen auch. Seine Cousinen haben auch oft Streit mit ihrer Mama.

Als das Äffchen sich einen Moment nicht richtig festhielt und umkippte, sagte er etwas, was mir niemals über die Lippen kommen würde.

 

Böses Äffchen*!

Ich schaute ihn an und sagte ihm, dass sie nicht böse ist.

 

Bei uns ist niemand böse oder gut. Sie sind einfach.

Ich erklärte ihm, dass unsere Kinder durchaus auch Dinge machen, die mir mal nicht gefallen, aber deswegen sind sie nicht böse. Sie sind halt Kinder. Entdecken die Welt. Auf ihre Weise.

 

Er wurde kurz still. Und lenkte dann auf ein anderes Thema: meine Haarfarbe. Türkis sei seine Lieblingshaarfarbe und er sagt seiner Mama ganz oft, dass sie sich die Haare Türkis machen solle. Da ich seine Mutter gut sehen konnte, wusste ich, dass das wohl leider ein Wunschtraum von dem Jungen bleiben wird.

 

Immer noch denke ich viel über den Jungen nach. Überlege, wie unsere Kinder uns wahrnehmen. Und werde mir mal wieder bewusst, wieviel wir noch an uns arbeiten müssen.

 

 

*Er hatte ihren Namen ganz am Anfang erfragt. Und mich die ganze Zeit gesiezt. Jetzt fühle ich mich zusätzlich noch alt!

3 Replies to “Wie Kinder uns wahrnehmen”

  1. Wow! Was für ein kluger, reflektierter Junge! Und wie schön, dass du ihm deine Sicht auf Kinder auch erzählt hast. Du wirst für ihn ebenso bereichernd gewesen sein, wie er für dich.
    LG, Snowqueen

    1. Danke dir.
      Ja. Der Junge hat mich gleichzeitig beeindruckt und traurig gemacht. Es muss furchtbar für Kinder sein in „böse“ oder „gut“ eingeteilt zu werden. Bisher kannte ich das nur theoretisch und es mal aus dem Mund eines Kindes zu hören, hat mich den darin liegenden Schmerz direkt fühlen lassen.

  2. Ein wahnsinns Erlebnis. Deine Schilderung macht mich traurig, aber auch froh. Du hast dem Jungen eine neue Sicht gezeigt und das ist einfach wunderbar! Lg Kathi

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